Nachdem der PU-Kleber ordentlich ausgehärtet ist, mit dem ich den Surfblank aus SUP-Resten zusammen geklebt habe, kommt die spannende Phase des Shapens.
Ich habe aktuell leider noch keinen gut ausgeleuchteten Shape-Raum, weswegen ich mir mit Hilfslinien behelfe. Anhand der Markierungen bearbeitete ich den massiven Schaumblock und näherte mich so schrittweise der endgültigen Form an.
In Kiel boomt Wing Foiling seit Beginn der Corona-Pandemie. Es fing vor zwei Jahren irgendwann langsam an, dass vereinzelt Wings zwischen den Kitesurfern auftauchten und mittlerweile hat sich eine richtige Szene etabliert. Der vorläufige Höhepunkt war das Foil Festival in Schönberg mit Austragung der 1. Deutsche Wing Foil Meisterschaft.
Zufälligerweise kenne ich einen der Veranstalter, und nachdem ich mich in den vergangenen Wochen mehrmals mit ihm unterhalten hatte, stand fest – das will ich auch!
Los ging es mit dem Schaumkern, den ich mir aus entsorgten SUPs einer Surfschule zusammen gebaut habe.
Kiel ist mittlerweile zur Wingfoil-Hauptstadt in Deutschland geworden. In den vergangenen beiden Jahren ist die neue Surfvariante bei uns regelrecht explodiert. Immer mehr Kiter und Windsurfer entdecken das Wingfoilen als spannende Alternative, um in den gemäßigten Ostseebedingungen richtig Spaß zu haben.
Ingesamt habe ich in den letzten Wochen vier Surfbretter (Big Stick 6,6′, Quad-Fish 5,4′ und Schwarz lasiert 5,4′) fertig gebaut, die bedingt durch einen leichten Corona-Motivations schon länger halbfertig in der Werkstatt lagen und langsam zustaubten.
Hier kommt nun mein Lieblingsboard, mit dem ich auch schon mehrfach auf dem Wasser war.
Schwarz ist relativ, habe ich bei diesem neuen Projekt gelernt. Mit einer umweltfreundlichen, schwarzen Lasur von AURO wollte ich einmal wieder ein dunkles Board bauen. In der Kombination mit dem hellen Paulownia-Holz wurde es jedoch nur Mittelgrau. Mit den Holz- und Kork-Details ist es dennoch ein sehr edles Stück geworden. Und man sieht dem Board nicht mehr an, dass es sich eigentlich um einen ehemaligen Totalschaden handelt. Upcycling par excellence.
Vorab ein Dank an Simon aus Zürich für den Filmtipp!
Wer das Surflabel Vissla kennt, dem ist sicher auch der Shaper Daniel Brink ein Begriff. Daniels Arbeiten verfolge ich schon länger mit Interesse, da er mit asymetrischen Surfboards und Finnenformen experimentiert. Für die Finnen verwendet er dabei Birkensperrholz, durch dessen Lagenstruktur man gut die Formgebung kontrollieren kann. Zu der Experimentierfreude passt auch das Projekt, um welches sich der Film dreht. Daniel baut dort ein historisches Surfbrett nach dem Vorbild von Tom Blake.
Mein Freund Ollo besitzt ein altes Shortboard, mit dem er viele schöne Erinnerungen verbindet und an dem er sehr hängt. Mit einer Größe von 6,0′ ist es jedoch ziemlich radikal und benötigt schon ordentliche Wellen, um es nutzen können. Da man auch nicht jünger wird, liegt der kleine Stick (Anmerkung: So nennen Wellenreiter offenbar liebevoll ihre kleinen Boards…) nun schön lange im Regal und setzt Staub an.
Ollo kam nun mit dem Wunsch auf mich zu, ihm ein etwas größeres Board mit ähnlichem Shape zu bauen. Und voilá, hier ist es.
Das kompakte Surfboard ist eine Weiterentwicklung des 5.3ers mit den eckigen Finnen bzw. ein Recycling-Projekt, da zwei von dessen eingeklebten Finnen leider der Belastung beim Springen irgendwann nicht mehr stand hielten – und heraus brachen. Da das Board sich aber ansonsten super fuhr, habe ich mir die Arbeit gemacht und die Holzaussenhülle mit viel Geduld abgeschält und den Schaumkern wieder verwendet. Diesmal habe ich jedoch FCS II-Finnenkästen verwendet und den Blank zusätzlich an den Finnenpositionen mit Holz verstärkt. Das passiert mir kein zweites Mal.
Ansonsten ist es natürlich kein klassischer Fish-Shape, sondern eher eine moderne Interpretation mit leicht eingeschnittenem Tail und Quad-Finnenkonfiguration. Ich glaube, ich werde das Board aber auch einmal mit einem Twin-Set testen. Bin gespannt, wie sich das bemerkbar macht bei den Fahreigenschaften.
Ich bekomme irgendwie gute Laune, wenn ich das Board ansehe. Nach den guten Erfahrungen mit dem Vorgänger freue ich mich auf das gutmütige Fahrverhalten und die exzellenten Frühgleit-Eigenschaften. Das Teil ist perfekt für kleine Wellen und leichten Wind – Bedingungen, die wir hier oben an der Ostsee im Sommer häufig haben.
Bauweise
Wie bereits geschrieben, handelt es sich um einen recyceltes Surfboard. Den XPS-Kern des Vorgängers konnte ich glücklicherweise vollständig wieder verwenden. Der Kern ist mit Paulownia-Holz ummantelt und bekam dann noch einen Nose- und Tailblock aus Mahagoni sowie Rails aus Kork.
Die Umrahmung des hellen Paulownia-Blanks mit dem dunkleren Mahagoniholz und den Kork-Rails gefällt mir wirklich gut. Die FCS II-Finnenkästen sind mit Nussbaum verkleidet, Mahagoni wäre natürlich konsequenter gewesen, aber ich hatte sie schon fertig in der Schublade liegen. Der Unterschied fällt auch nur bei genauem Hinsehen auf..
Vervollständigt wird das Setup durch ein dreiteiliges Kork-Tailpad von ecoPro. Auf einen Leash-Plug habe ich diesmal bewusst verzichtet, da man in den Leichtwindbedingungen, für die das Directional gedacht ist, sein Board nie verliert.
Für die Versiegelung habe ich Bio-Epoxy genommen. Es ist im Gegensatz zu den Bootslacken glasklar und das Paulownia bekommt keinen honigfarbenen Touch. Das hat mich bei den letzten Surfbrettern hinterher optisch immer etwas gestört.
Maße
Größe: 5,4′ (164 x 48 x 5cm) Gewicht (inkl. Tailpad): wird noch gewogen…
Ich habe mich sehr gefreut, als ich am Wochenende in den Kieler Nachrichten den Artikel über das wohl nachhaltigste SUP der Welt entdeckte, welches der Extremsportler und Umweltaktivist Michael Walther und Jannek Grocholl von Board Lab aus Kiel realisiert haben.
Vor gut einem Jahr besuchte Michael mich nämlich in Kiel und wir sprachen über seine Vision von einem nachhaltigen Standup-Paddle-Board, welches einen möglichst geringen ökologischen Fussabdruck hinterlassen sollte. Ich erzählte ihm damals von meinen Erfahrungen mit verschiedenen Materialien und Bauweisen. Allerdings konnte ich ihm damals selbst nicht weiterhelfen, da ich beruflich leider zu stark eingespannt und außerdem gerade frisch mit meiner Werkstatt umgezogen war.
Aber es ist toll, dass er das Ziel so konsequent weiter verfolgt hat und mit Jannek Grocholl von Board Lab einen passenden Partner für die Umsetzung gefunden hat. Dass mit Fanatic auch ein großer Hersteller das Projekt unterstützt, finde ich bemerkenswert und weckt Hoffnung.