Alaia aus Paulownia-Holz

Alaia Surfbrett – Selbstbau in 8 Stunden

Sommerzeit ist Leichtwindzeit. Nachdem ein Freund mir begeistert von einer Kitesession mit einem Naish Alaia und dessen Leichtwind-Potential erzählte, war die Entscheidung schnell gefallen, solch ein archaisches Surfbrett selbst zu bauen.

Gegenüber dem Bau eines Holzsurfboards in Hollow-Wood-Bauweise, ist der Zeitaufwand bei einem Alaia sehr überschaubar. In rund acht Stunden war das neue Board fertig.

Holzblank aus Paulownia mit Mahagoni-Stringern

Das Alaia hat kein Volumen. Es besteht nur aus einem einzigen massiven Paulownia-Holzbrett, in welches aus Stabilitätsgründen noch zwei Stringer aus Mahagoni eingeleimt wurden. Durch die geraden Stringer kommt auch die geschwungene Form der Outline besser zur Geltung.

Der Holzblank des Alaia ist sehr dünn und wirkt auf den ersten Blick etwas kurios, da er keinerlei Aufbietung besitzt. Dies wird beim Alaia jedoch durch den enormen Flex ausgeglichen. Das Brett biegt sich bei Belastung durch und schmiegt sich dadurch geradezu in die Kurven hinein.

Alaia-Shape

Die Form des Alaias ist simpel. Eine breite Nose, ein schlankes Heck sowie ein Unterwasserschiff mit langexogener Konkave.

Der breite, runde Nose-Bereich sorgt für ein gutes Angleitverhalten, das gerade, auslaufende Heck und dessen scharfe Kanten dienen der Führung und sind für die exzellente Eigenschaften beim Höhelaufen verantwortlich.

Ein schönes Wochenende-Projekt. Und nahezu 100%-ige Erfolgsgarantie … wenn man die Konkave nicht zu tief macht. ;-)

Die größte Herausforderung stellt die Konkave im Unterwasserschiff dar. Ist es schon schwieriger mittels Oberfräse und Excenterschleifer eine homogene Vertiefung in das dünne Holzbrett zu shapen. Insbesondere da eine zu tiefe Konkave, das ohnehin schon filigrane Surfbrett, noch weiter ausdünnt und schwächt.

Traditionell werden Alaias nur mit mehreren Schichten Leinöl versiegelt. Ganz pur und umweltfreundlich. Ich habe mich aufgrund der geringen Brettstärke im Bereich der Konkave doch schweren Herzens dazu entschieden, das Brett mit Epoxidharz zu versiegeln, um es dadurch noch etwas zu verfestigen. Wenn es hält, wird beim nächsten Alaia die umweltfreundliche Variante getestet.

Maße: 5,7′ x 19,2″ x 0,7″ (178cm x 49,5cm x 1,8cm)
Gewicht: 2,4 kg

Ich freue auf den ersten Einsatz. Die Ostsee hat mittlerweile fast Boardshort-Temperatur und bietet perfekte Bedingungen für das neue Spielzeug.

17 Gedanken zu „Alaia Surfbrett – Selbstbau in 8 Stunden“

  1. Hi
    Ich wollte mal fragen ob du auch schon mal erfahrungen mit kleineren Alaia Boards gemacht hast z.B. 150cm da ich nur 65 kg wiege und noch mit meinen Eltern in den Urlaub fahre. Aufgrund dessen dürfte es nicht zu groß sein.

    1. Ich habe leider keine Erfahrungen mit kleineren Alaias. Schau doch mal bei Tom Wegener! Er ist quasi der Alaia-Papst in der Szene. Seine Längenempfehlungen gelten natürlich eher für das Wellenreiten. Er empfiehlt bei Wellenreitern für ein Gewicht zwischen 60 und 70 Kilogramm eine Alaia-Länge von 6 Fuss (ca. 182cm). Der Unterschied zum üblichen Fahrergewicht mit 75-85 Kilogramm sind 0,4 Fuss.

      Ich fahre beim Kiten mit meinen 85 kg ein 5,8′ Alaia und bin sehr zufrieden mit den Eigenschaften. Vielleicht probierst du es mal mit 5,4′?

    1. Vielen Dank! :-)

      Ich habe mir viele Alaia-Surfbretter im Web angesehen und dann in CAD die Outline selbst entwickelt.

      Ich habe mit den groben Gesamtmaßen begonnen und anschließend die runde Nose und die Tailierung der Rails im Mittelteil ergänzt. Das Tail habe ich hauptsächlich unter optischen Gesichtspunkten entworfen. Aber in Halsen und beim Abreiten von Wellen dürfte es sicherlich für etwas Grip sorgen. Und den benötigt ein Alaia auch, da die plane Gleitfläche für sehr Auftrieb sorgt und die Fahrweise sehr „loose“ ist.

  2. Hallo Tobias!
    Erstmal danke für diese tolle Seite und dass du so viel teilst!
    Ich möchte mir in den nächsten Tagen ein Alaia bauen zum Wellenreiten. Es wird dann hoffentlich hauptsächlich auf den schwächeren Münchener Flusswellen zu Einsatz kommen, aber sicherlich auch mal am Meer. Von der Größe starte ich erstmal mit 182x54x1.8. Ich habe mir eine Paulownia Leimholz Platte (220x60x1.8) vom Bauhaus geholt und habe jetzt schon das Gefühl dass mir das Ding bei der ersten Belastung längst brechen wird. Deswegen denke ich darüber nach es ein bisschen zu laminieren (auch wenn es mir eigentlich missfällt..). Habe ich es richtig verstanden, dass du keine Glasfaser sondern nur Epoxy aufgetragen hast? Wie schätzt du die Haltbarkeit ein (du hast ja anscheinend die gleichen Paulownia Platten genommen)? Und wie stark ist dein Brett bei der Konkave noch?
    Würde mich sehr über ein paar Tipps freuen!
    Einen schönen Sommer!

    1. Hi Alex,
      bei den Paulownia-Platten von BAUHAUS gibt es tatsächlich große Fertigungstoleranzen. Ich suche mir auch immer die ganzen Stapel durch, um einigermaßen brauchbare Bretter zu erwischen… :-)

      Eine Schicht Glasfaser ist deswegen eine gute Idee, auch in Hinsicht auf die Setifigkeit. Die reine Beschichtung mit Epoxy hat wenig gebracht. Mein Alaia ist ja dann auch irgendwann längs der Konkave eingerissen (Holzstärke war ca. 8-10 mmm).

      Mein nächstes Alaia möchte ich mehrschichtig aufbauen und nur mit Tungöl versiegeln. Ich werde es wahrscheinlich auch etwas dicker machen, um die Steifigkeit es zu erhöhen.

      Aber das Fahrgefühl ist schon einmalig. Freue mich auch schon auf die nächste Alaia-Session!

      1. Hi Tobias,
        vielen Dank für die Antwort!
        Ich denke ich werde einen Kompromiss eingehen und erstmal nur die Oberseite laminieren und die Unterseite ölen. Zum einen um Gewicht zu sparen und zum anderen weil ich meine gelesen/gehört zu haben dass das ölen das Brett nochmal schneller macht.
        Freue mich auch schon aufs shapen und die ersten Sessions am Eisbach!
        PS: Laminieren mit Epoxy eher auf unbehandeltes Holz (nicht geölt) oder ist das egal?

        1. Ich würde die Unterseite auch laminieren, damit die entstehenden Zugkräfte auch abgefangen werden können. Zum anderen sollte man Holzbretter immer möglichst von beiden Seiten gleich behandeln, damit sie nicht verziehen. Die Epoxy-Seite wäre quasi 100%ig dicht, die andere Seite würde durch Einwirkung von Wärme, Wasser und Öl arbeiten.

          Die Idee mit Geschwindigkeitzuwachs durch die Verwendung von Öl finde ich witzig. Könnte durchaus sein, wenn man mehrfach ölt und die geölte Seite gut poliert. Durch den hydrophoben Charakter von Öl könnte es tatsächlich zu einem „Glitsch-Effekt“ kommen. :-)

          Die meisten laminieren direkt auf das unbehandelte Holz. Man kann auch das Holz vorab einmal dünn mit Yachtlack behandeln, um die Poren zu schliessen. Dann saugt das Holz nicht soviel Epoxy auf und man spart Gewicht.

  3. Hey!
    Wie verhält sich denn das Greenpoxy 56?
    Klebende Oberfläche? Viskosität?
    Finde das ein super spannendes Thema, vorallem zusammen mit Flachsfasern!
    Danke schon mal!

    1. Hi Marc,
      es lässt sich verarbeiten wie jedes andere Epoxy-Harz auch. Bei Viskosität und Dauer der Bearbeitungszeit gibt es eigentlich keine signifikanten Unterschiede. Gefühlsmäßig würde ich sagen, dass es etwas länger benötigt, um 100%ig auszuhärten. Das könnte aber an den niedrigeren Temperaturen in meiner Werkstatt gelegen haben. Das letzte Mal habe ich Greenpoxy im Winter eingesetzt. Und der Härter ist etwas gelblich/orange. Aber das hat bei Surfboards aus Holz eher ein positiver Nebeneffekt – sie bekommen einen wärmere Tönung. Speziell Paulownia gewinnt eher an Charakter. ;-)

      Ich laminiere die Flachsfaser bei meinen neuen Boards übrigens gerade mit normalem D4-Holzleim innen auf die Decks. Ich hatte das im vergangenen Jahr an einer Paulowniaplatte getestet – und nun probiere es es einfach mal in der Praxis.

  4. Hallo Tobias, tolle Website!

    Ich hab mir vor nem Jahr den 2011er (?) Naish Alaia zum Kiten gekauft und bin ziemlich begeistert. Fährt sich halt so ganz anders und an das Wackelpudding-Feeling hab ich mich gewöhnt bzw. mag ich’s inzwischen eigentlich ganz gern, hat so was Schwebendes. Für kleine Nord-/Ostseewellen gibt’s kein Brett das mehr Spaß macht! Bin in Kapstadt auch mal in großen Wellen damit draußen gewesen, hat auch was, von gelegentlichen Abgängen wg. Bug-Eintauchen eingeschlossen.

    Perfekt wär für mich, wenn’s sich jetzt noch mit einem Steck- oder Klappsystem teilen ließe, würde dann mit in den größeren Kiterucksack passen (oder ließe sich draufschnallen) und könnte dann super easy auf jede noch so kurze Flugreise mit ohne horrende Sonder-/Sportgepäck-Zuschläge zahlen zu müssen.

    Hat sich da mal jemand zu Gedanken gemacht? Durchsägen, Messingschaniere und zwei Riegel dran, fertig? Metallbänder zum Zusammenstecken einlassen und von oben/unten verschrauben?

    Falls du sowas machen kannst oder einen Tipp hättest, wer da weiterhelfen könnte (ich trau mir das nicht selbst zu…): Wär toll!

    Viele Grüße und gute Besserung!

    Oliver

    1. Geile Idee Oliver! Ich fliege im Herbst auf die Kanaren, überlege auch schon, wie man ein teilbares Board bauen könnte. Dürfte bei einem massiven Alaia ja ziemlich leicht zu bewerkstelligen sein. Einfach lange Löcher einbohren und mit Rundstäben verbinden. Dann die Verbindung mit Schnappverschlüssen oder 3-4 versenkten Schrauben sichern. Ich glaube, das probiere ich mal aus… :-)

      1. Hallo Tobias! Hab gerade n zweiten Naish Alaia bekommen, diesmal Modell 2015, der jetzt dran glauben soll (auch wenn mein Freund Jan das für Frevel hält, da könne ich ja auch meine Freundin zersägen damit sie preisgünstig ins Reisgepäck passt…). Das Tei ist ca. 1.8/1.9 cm dick, weiß nicht, ob da noch Rundstäbe reinpassen. Für mich wär ggf. aber auch ne Konstruktion ok, die aufs Deck montiert wird. Hatte mal mit ein paar „schiffbauaffinen“ Tischlern gesprochen, leider alle keine Zeit. Könntest du dich da evtl. dran versuchen? Würd das Board dann einfach die Tage mal rum bringen….Gruß, Olli

        1. Hallo Olli,
          tut mir leid, ich habe gerade auch keine Zeit. Habe gerade viel in der Agentur auf dem Schreibtisch. Deswegen pausieren leider auch die anderen Board-Projekte etwas.

          Ich fände es aber auch eine Schande, so ein schönes Naish Alaia zu zersägen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es bricht, wäre mir zu hoch bei einer Stärke von 1,8 cm. Kauf dir lieber eine Paulownia-Platte bei BAUHAUS und shape dir ein ALAIA und teste das erst einmal mit den Stäben. An einem Wochenende ist das locker erledigt!

          1. hallo tobias, das ist schade. mir fehlt leider jegliche handwerkliche erfahrung, von geschick mal ganz zu schweigen. hoffe aber, dass ich noch einen fähigen tischler finde, der sich das zutraut. viele grüße, olli

          2. hi tobias,

            hab inzwischen mal alles eingesammelt, was sich zu teilbaren board-systemen so im netz findet. am einfachsten gehts wohl so: http://www.newind.net/divisibile-splitsurf.html – als dreiteiler dann sogar handgepäck(!)tauglich. hab leider weder werkzeug noch handwerkliches geschickt. suche daher verzweifelt jemanden, der das machen kann. hab n fertigen alaia, der „nur noch“ den schnitt und n paar schraub-einsätze bräuchte.

            viele grüße
            olli

            p.s. fahr inzwischen eigentlich nur noch alaia. nachdem man sich erstmal drauf eingefahren hat, das beste board für norddeutschland, dreht irre, kriegste jede welle, mit oder ohne druck im kite…

            1. Hallo Olli,

              ich glaube, du hattest das Alaia von Naish, oder? Ich habe große zweifel, dass das Board die Belastungen beim Fahren aushält, wenn man eine Teilbarkeit „nachrüstet“. Paulownia ist ein Superholz in Bezug auf Gewicht und Wasserbeständigkeit, aber die Belastbarkeit ist sehr eingeschränkt. Dies gilt vor allem für filigrane Detailpunkt, wie den Überlappungen bei den Newind-Boards. Bei denen dürfte die Überlappung komplett aus Epoxy gegossen sein. Paulownia würde in dieser Stärke einfach wegbrechen.

              Ich denke auch über teilbare Boards nach und tendiere derzeit zu einer Zickzack-Verbindung. Dabei würde ich allerdings die Verbindungsstelle mit Hartholz-Leisten realisieren. Und selbst das wird bei einer Boardstärke von 14-18 Millimeter eine heikle Angelegenheit. Aber einen Versuch ist es wert. Auch ein Projekt für den langen Kieler Winter… :-)

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