Am 26. und 27. September waren Kieler Ateliertage, und ich war mit dem Waitz-Kollektiv am Knooper Weg dabei. Zwei Tage offene Türen, fünf Leute mit ganz unterschiedlichen Themen unter einem Dach. Ich habe meine Surfbretter aus Holz ausgestellt und daneben eine Premiere: das Innengerüst des ersten 3D-gedruckten Surfbretts, geplant mit meiner ownSurfboard-App.

Surfbretter aus Holz, ohne Glasfaser
Jedes Brett in der Ausstellung ist ein Einzelstück. Von außen sieht man nur die lackierte Hauthülle aus Holz. Der eigentliche Unterschied steckt innen.
Ein Teil der Bretter hat ein Rippengerüst aus Holz, gebaut wie ein Bootsrumpf oder ein Flugzeugflügel. Viel Luft, wenig Material, hohe Steifigkeit. Bretter, die Sprünge und harte Landungen aushalten müssen, bekommen stattdessen einen Kern aus recyceltem Styropor, der Schläge schluckt, wo eine hohle Konstruktion punktuell brechen würde.
Außen lasse ich das übliche Laminat aus Glasfaser und Epoxidharz komplett weg. Ein Serienbrett aus diesem Verbund lässt sich nicht mehr trennen und ist am Ende Sondermüll. Bei mir liegt unter dem Holz Flachsfaser aus regionalem Anbau, auf dem Deck Kork statt eines Kunststoffpads. Versiegelt wird je nach Belastung mit Bioepoxid, zur Hälfte aus pflanzlichen Rohstoffen, oder mit Bootslack auf Leinölbasis. Finnen und Leash-Plugs fertige ich aus Holz, die Logos sind ins Holz gelasert. Nur die Finnenkästen sind noch zugekaufte Kunststoffteile. Das ist die letzte Baustelle.

Alle ausgestellten Bretter bin ich selbst gesurft. Man sieht also Druckstellen und ausgebesserte Schäden. Genau das gehört aber auch dazu: Ein Brett aus Holz lässt sich öffnen, flicken und weiterfahren.



Das Skelett eines gedruckten Bretts
Neben den fertigen Brettern stand etwas Unfertiges. Ein Wabenkern aus dem 3D-Drucker, das Innengerüst des ersten Prototyps. Später kommt eine Hülle aus Holz und Flachsfaser darüber, wie bei den anderen Brettern.


Die Wabe ist das Leichtbau-Prinzip der Natur. Bienenstock, Knochen, Pflanzenstängel: Material nur dort, wo Kraft wirkt, dazwischen Luft. Für ein Surfbrett heißt das, ich kann Steifigkeit und Gewicht an jeder Stelle einzeln einstellen. Vorne weicher, unter den Füßen härter, die Finnenkästen sind gleich mit eingeplant.
Konstruiert habe ich den Kern mit meiner eigenen Software, der ownSurfboard-App. Die gängigen Programme zum Entwerfen von Surfbrettern sind für Profis gebaut, mit unzähligen Einstellungen, die ich als Hobby-Shaper nicht brauche. Eine Ausgabe als Wabenkörper fehlt ihnen ganz. In meiner App wählst du die Surfart (Kiten, Wellenreiten, Stand-up-Paddling), gibst Gewicht, Können und die Bedingungen an deinem Spot an. Die App berechnet daraus die Maße und die Wabenstruktur und zerlegt das Brett in Stücke, die auf einen normalen 3D-Drucker passen.
Der Kern auf den Ateliertagen ist der erste Durchlauf aus dieser App. Erster Prototyp heißt auch: Da stecken noch Fehler drin. Die finde ich nur, indem ich baue und fahre. Gedruckt habe ich mit recyceltem PETG, später sind auch Kerne aus umweltfreundlichem PLA möglich, einem Kunststoff auf Basis von Maisstärke. Kein Styropor, kein Polyesterharz, und der Kern lässt sich später wieder von der Hülle trennen.
Die App soll nicht in meiner Werkstatt bleiben. Wer einen 3D-Drucker hat, soll sich damit ein eigenes Brett rechnen lassen können. Wann es so weit ist, weiß ich noch nicht. Wenn du Bescheid bekommen willst, trag dich auf ownsurfboard.com in die Warteliste ein.
Wer noch ausgestellt hat
Das Waitz-Kollektiv ist mehr als meine Bretter. Mit mir haben ausgestellt:
- Arendt Schmolze mit Fotografien und Retro-Rennrädern
- Anja Kühn mit Porzellan
- Ingo Martens, Bootsbauer, mit Holzbrettchen und Tischen aus Holz
- Corinna Schneider mit Aquarellen, die sie mit Zeichnungen kombiniert







Wie es weitergeht
Der Wabenkern bekommt als Nächstes seine Hülle aus Holz und Flachs, danach geht es ins Wasser. Über den Bau berichte ich Schritt für Schritt auf ownsurfboard.com, dort liegt auch mein komplettes Surfbrettbau-Archiv.
Und bei den nächsten Kieler Ateliertagen 2027 sind wir natürlich auch wieder mit dabei.
Fotos: Arendt Schmolze. Den gedruckten Kern vor der Holzbohle und das Brett vor dem Rundbogenfenster habe ich selbst fotografiert.
Mit KI-Unterstützung geschrieben. Geprüft und freigegeben von Tobias Herold.Wie ich KI einsetze