Holz-Surfbrett schwarz flämmen

Paulownia-Surfboard flämmen

Mit Flämmen oder Abflammen bezeichnet man das Bearbeiten einer Holzoberfläche mittels Feuer. Häufig wird die Technik eingesetzt, um Möbeln einen rustikalen Charme zu verleihen.

Im alten Japan wurde die Technik des Shou Karamatsu-ban beim  traditionellen Hausbau dazu genutzt, um Holzfassaden unempfindlich für Pilze und Mikroben zu machen. Außerdem härtet das Einbrennverfahren die Holzstruktur zusätzlich aus. Angeblich übersteht eine solchermaßen behandelte Hausfassade 80 Jahre ohne Nachbehandlungen. Und dies ohne Einsatz von chemischen Stoffe und ohne Nachstreichen, wie dies bei anderen Versiegelungen notwendig ist. Die dünne Kohleschicht schützt dauerhaft vor schädlichen Einflüssen und ist natürlich schwarz.

Bei Surfboards spielt der Pilzbefall glücklicherweise keine Rolle. Ich fand es jedoch sehr spannend, die Technik einmal bei einem Surfboard auszuprobieren. Und so flammte ich mein kleines 5,4er NoNose-Board einmal komplett ab.

Vorbereitung des Holzes

Paulownia-Holz ist relativ weich und leicht entflammbar. Man sollte deswegen zügig arbeiten und plötzlich auftretende Glutnester sofort ausklopfen, bevor sich die Glut in tiefere Holzschichten vorarbeitet.

Gieskanne immer in Reichweite
Gieskanne immer in Reichweite

Die Holzoberflächen wurden vorab gut abgebürstet und zusätzlich mit einem Verdünnungsmittel (natürliches Balsamterpentinöl) geputzt. Holzstaub sollte man vollständig entfernen, da er  expolsionsartig abbrennen kann. Bei der dünnen Holzschicht eines Surfboards kann das fatal sein.

Nachdem das Board wieder gut getrocknet war, ging es mit dem Bunsenbrenner ans Werk.

Zügiges, flächiges Abflammen der Holzflächen

Ich hatte in der rechten Hand den Bunsenbrenner und an der linken einen dicken Handschuh, mit dem ich auftretende Glutstellen immer sofort ausklopfte. Das funktionierte sehr gut. Man bekommt mit der Zeit ein gutes Gespür wie lange man über einer Stelle verbleiben darf und welcher Abstand notwendig ist.

Ich ging erst größflächig über das ganze Board hinweg, bis alles leicht angedunkelt war, und wiederholte diesen Vorgang noch zwei weitere Male bis das Holz des Surfbretts fast homogen schwarz war.

An den Ecken, insbesondere dem Fish-Tail und dem Channel im Unterwasserschiff, muss man sehr aufpassen. Man brennt sich die scharfen Kanten sehr schnell weg und ruiniert sich den Shape. Hier hilft nur schnelles Arbeiten und etwas Glück.

Feinschliff der Kohleschicht und Holzstruktur

Nachdem das Board komplett scharz war, schliff ich einmal mit feinem 240er Schleifpapier die losen Holzstandteile weg. Im Gegensatz zu einer Lackierung oder einer gebeizten Holzfläche hat man durchaus etwas Spielraum. Die „Farbe“ ist nicht sofort durchgeschliffen, die geschwärzte Schicht geht 1-2 Millimeter in die Tiefe. An Stellen wo doch wieder helles Holz durchschimmert, brennt man einfach stellenweise nach.

Obwohl Paulownia ein sehr homogenes Holz ist und keine  nennenswerte Weich- und Hartholzzonen besitzt, merkt man doch strukturelle Unterschiede. Weicher Holzbereich brennen stärker aber als härtere.

Im Ergebnis prägt sich die Holzstruktur deutlich aus, man erhält kein superglatte Oberfläche, sondern man erkennt, dass es sich um Holz handelt. Das ist Geschmackssache. Ich persönlich finde den Effekt sehr reizvoll. Das schwarze Surfbrett bekommt dadurch aus der Nähe noch einmal einen ganz besonderen Charakter.

Farbigkeit des Holzes und Versiegelung

Das geflammte Holz ist nicht rein schwarz. Es variiert zwischen Schwarz und Dunkelbraun. Ich anfangs etwas enttäuscht, da ich mir eine mattschwarze Oberfläche gewünscht hatte, aber durch die notwendige Schleifarbeit ist dies nicht möglich. Man muss die lockeren Oberflächenbestandteile einfach komplett entfernen. Ansonsten würde die Versiegelung nicht halten.

Wie bei allen leichten Surfbretter, so habe ich auch dieses Board wieder ausschließlich mit einem Yachtlack versiegelt. Zwei (verdünnte) Schichten zur Tiefenversiegelung und Grundierung sowie drei Schichten für das hochglänzende Finish.

Das Experiment ist glücklicherweise gelungen, der Patient hat überlebt.

 

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