Das erste Kite-Directional sowie die beiden folgenden SUPs wurden nach der klassischen Hollow-Wood-Bausweise realisiert. Bei ihnen wurde ein filigranes Skelett mit Rippen und Stegen aus Sperrholz mit einer Holzhülle ummantelt und abschliessend mit zwei Lagen Glasfaserlaminat wasserdicht versiegelt.

Während der Bau der Boards einen Riesenspaß machte, war das Laminieren mit Glasfaser  aus mehreren Gründen eine leidige Aufgabe:

  1. Epoxy-Harz sollte aus Gesundheitsgründen nur mit Anzug, Handschuhen und Maske verarbeitet werden. Besonders im Sommer wenig spaßig.
  2. Unter Gesichtsgründen des Umweltschutzes (Resourcenschonung , Entsorgung) hat man permanent ein schlechtes Gewissen.
  3. Wenn die eigene Werkstatt nur begrenzt Platz bietet, schließt sich die Bearbeitung von Holz sowie die Herstellung von hochglänzenden Surfboard-Topcoats eigentlich aus.

Aus diesen Gründen sollte das nächste Kiteboard-Directional möglichst komplett aus wasserresistem Paulownia-Holz gefertigt werden, welches am Schluss nur noch mit einer umfreundlichen Abschlussschicht auf Leinöl-Basis versiegelt werden muss.

Keine giftigen Harze, kein unverrottbaren Verbundstoffe, keine Sauerei. Nur Spaß!

Grundgerüst auf CAD-Basis

Die Vorplanung einer Solid-Rails-Konstruktion ist leider deutlich aufwendiger als bei einem normalen Hollow-Wood-Surfboard. Es reicht nicht sein Brett mit Aku Shaper zu entwerfen und anschließend per HollowBoard Template Maker als Bausatz ausgeben zu lassen. In einem dritten Schritt muss man das Skelett quasi in ein massive Konstruktion übersetzen, die abhängig ist von den Maßen des Massivholzes, welches man zur Verfügung hat.

Der erste Plan ist nie perfekt. Es ist unglaublich, welche Überraschungen man beim Bau erlebt, obwohl man tagelang über Details nachgegrübelt hat.

Fräsen der Scoop-Rocker-Line am Rockertable

Aufgrund des Plans werden die Einzelteile mit Band- und Stichsäge vorbereitet und nachfolgend zu einem Rahmen verleimt. Am Rockertable wird dann zuerst die Scoop-Rocker-Line des Unterwasserschiffs gefräst. Nach dem Aufleimen des massiven Unterdecks folgt anschliessend die Scoop-Rocker-Line des Oberdecks.

Anmerkung: Ich habe meinen Rockertable nicht wie üblich mit Gewindestangen ausgestattet, sondern mit Schlitzen, in denen die einzelnen Stege mittels Flügelmuttern fixiert werden können. Das ermöglicht eine schnellere Anpassung, hat aber leichte Nachteile bei der Festigkeit der Fixierung. Ich bin noch unsicher, ob ich die Konstruktion noch einmal überdenke, da man speziell beim Fräsen mit der Oberfräse relativ viel Druck auf die Schienenführung bringt und diese sich dabei  verstellen kann.

Aufleimen von Ober- und Unterdeck

Die Deckflächen wurden parallel vorbereitet und mit die Flächen mit sogenannten Leimknechten verleimt.

Da der Wellenreiter beim Kitesurfen  optional auch mit Fussschlaufen gefahren werden soll, wurde der Bereich der Edelstahl-Inserts zusätzlich mit einer Holzverstärkung unterfüttert.

Die Verleimung erfolgt per Vakuumpumpe. Der Rockertable wird dabei entsprechend der Rundung eingestellt, der Brettrohling wird mit PU-Leim auf die Fläche gelegt und mit einer Vakuumfolie abgedeckt. Die Vakuumpumpe saugt anschließend die Luft aus der Konstruktion und presst Decks und Rahmen fest auf die Fläche der Rockertables. Nach knapp zwei Stunden ist der PU-Leim getrocknet und die Folie kann entfernt werden.

Surfboard-Blank aus Holz – fertig zum Shapen

Es ist großartig, wenn man den vollständig verleimten Rohling in den Händen hält. Vor allem, wenn man bedenkt, dass nun der schönste des Surfbrettbaus folgt – das Shapen – und das lästige Laminieren mit Epoxy und Glasfaser entfällt.

Eine Herausforderung steht natürlich noch an – der Einbau der Finnen- und Leash-Plugs sowie das Einfräsen der Leiste mit den integrierten Fussschlaufen-Inserts.

 

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22 Comments

  • mark Koehler
    Posted 30. Dezember 2017 at 19:50 0Likes

    Entschuldigung ich hab die Antwort gerade erst gesehen

  • mark Koehler
    Posted 30. Dezember 2017 at 19:47 0Likes

    Hallo Tobias,
    ich bin grade in der Planung ein Holzsurfboard zu shapen und deswagen wär meine frage woher du die schablonen hast für den innenraum.
    Danke schonma im Voraus Mark.

  • mark Koehler
    Posted 18. Dezember 2017 at 15:58 0Likes

    Hallo Tobias,
    Hammer Board ich bin gerade am planen auch ein Holzboard
    zu shapen. Und meine frage ist wie hast du die Schablonen angefärtigt oder woher hast du sie bekommen

    • Tobias
      Posted 21. Dezember 2017 at 09:36 0Likes

      Den Shape hatte ich damals mit Aku Shaper entwickelt. Die eigentliche Konstruktion erfolgte dann mittels CAD-Programm. Letztendlich war mir der Zeitaufwand bei dieser Vorgehensweise zu groß und die Kontrolle über Endmaterialstärke bzw. das Gewicht zu gering, weswegen ich spätere Boards wieder in klassischer Hollow-Wood-Bauweise gebaut habe.

  • Florentine Adam
    Posted 3. Oktober 2017 at 11:30 0Likes

    Ich habe eine Frage zum Vakuumverleimen:

    Ist es auch möglich „Skelett“ und Deckholz ohne Tisch zu verleimen in einem Vakuumbeutel oder verzieht sich da alles?

    Viele Grüße
    Flo

    • Tobias
      Posted 3. Oktober 2017 at 11:42 0Likes

      Ein Rockertable zur Abstützung und exakt rechtwinkligen Ausrichtung von Stringer und Rippen ist schon notwendig. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass dein Board hinterher leicht propellermäßig verzogen ist.

  • Nils
    Posted 6. September 2017 at 22:15 0Likes

    Hi Tobias,
    wie trennst du die Streifen auf? Sägst du die einfach mit einer Kreissäge mittig durch oder gibt es da einen Trick wie das besser geht?

    Gruß Nils

    • Tobias
      Posted 8. September 2017 at 10:45 0Likes

      Ich trenne meine Streifen immer hochkant an der Kreissäge auf. Sägeblatt auf halbe Holzbreite ausgefahren und dann zweimal drüber geschoben. Man hat dadurch zwei Durchgänge pro Brett, aber Sicherheit geht vor.

      Ich hatte es auch einmal an meiner semiprofessionellen Bandsäge probiert, aber da lief mir das Sägeblatt leider teilweise etwas weg. Der Ausschuss war mir bei dieser Variante zu groß. Aber mit einer großen Bandsäge geht das wohl auch.

  • Jan Göller
    Posted 25. September 2016 at 16:03 0Likes

    Hallo Tobias,
    echt schöne Boards die du Baust.
    sag mal hast du keine Probleme gehabt, wenn du die Bretter nur geölt hast? bei mir ist das Brett voll gelaufen und durch die Hohlkammern hat sich so ein druck aufgebaut das die leimnähte geplatzt sind!
    hast du vielleicht einen Tip.
    Beste Grüsse
    Jan

    • Tobias
      Posted 26. September 2016 at 23:27 0Likes

      Hi Jan, ich habe bisher meine Boards meistens mit einem Bootslack auf Leinölbasis lackiert. Nur Leinöl habe ich nur bei Handplanes verwendet – bei hohlen Surfbrettern habe ich bisher gekniffen. :-) Aber generell sollte es möglich sein, in den einschlägigen Foren liest man regelmäßig von Boards, die nur mit Leinöl oder Lanolin versiegelt wurden.

      Aber ein Entlüftungsventil ist immer Pflicht! Ich könnte mir gut vorstellen, dass dein Board nur voll gelaufen ist, weil die Leimnähte durch Überdruck aufgeplatzt sind.

      Ich hoffe, du kannst dein Board noch einmal gut trocknen und reparieren. Dann kannst du nachträglich noch ein Ventil einbauen.

      • Jan Göller
        Posted 6. Oktober 2016 at 23:18 0Likes

        Super dank dir ,ich denke auch das es der druck gewesen ist! die Rettungsaktion ist in Arbeit.
        Gruss

  • Arne
    Posted 30. November 2015 at 15:49 0Likes

    Moin nochmal,
    Sag mal Tobias, aus welchem Material bestehen denn die „schienen“ des rockertables, auf denen der Schlitten der Oberfräse aufliegt? Es scheint irgendwas flexibles zu sein um die Rocker Linien abzubilden aber dennoch stabil genug für den Schlitten…dein Tisch ist echt ein geiles Projekt für sich…

    • Tobias
      Posted 30. November 2015 at 19:40 0Likes

      Die Schienen hatte ich damals aus schwarzen L-Profilen aus Kunststoff gemacht. Sie waren leider nicht ausreichend flexibel, so dass ich zusätzlich immer dreieckige Ausschnitte hinein geschnitten habe. Das ging dann einigermaßen.

      Falls du auch so einen Tisch bauen möchtest – achte unbedingt darauf, dass du die Schrauben ordentlich festziehen kannst. Bei mir waren Flügelmuttern und Schrauben etwas zu klein dimensioniert. Die Schienen haben sich deswegen unter Belastung teilweise verstellt. Ich habe es glücklicherweise noch rechtzeitig bemerkt… :-)

      • Arne
        Posted 1. Dezember 2015 at 12:05 0Likes

        Ja genau, das hättest du ja beschrieben, ich plane gerade und hoffe dann bald endlich einen Tisch zu bauen, aktuell muss noch ein Wohnzimmerschrank fertig gearbeitet werden…
        Aber deine Variante des Tisches gefällt mir echt gut.

        Und wie immer vielen Dank für die schnelle Antwort!

  • Sebastian
    Posted 30. Oktober 2015 at 10:36 0Likes

    Gut zu wissen mit dem Auftrennen, wie dick ist denn das Deck letztendlich bei dir?

    • Tobias
      Posted 30. Oktober 2015 at 12:21 0Likes

      Nach dem Auftrennen sind die Leisten rund 7mm stark. Ich hobel sie dann meist noch einmal glatt, so dass ich für das Oberdeck 6mm habe und das Unterdeck 4-5mm stark ist.

  • Dirk
    Posted 2. Juli 2015 at 07:11 0Likes

    Hallo Tobias,
    schöne Boards! Kannst du Bezugsquellen für Paulownia Holz nennen? Ich finde nur Leimholzplatten aus dem Baumarkt.

    • Tobias
      Posted 2. Juli 2015 at 08:02 0Likes

      Ich verwende im Augenblick auch noch die Leimholzplatten von BAUHAUS. Hier in Kiel und Umgebung kann/will auch kein Händler Paulownia anbieten. Ich bin auch noch auf der Suche… Frag einfach mal beim deinem Holzhändler vor Ort nach. Holz Klöpfer in Würzburg hat beispielsweise Paulownia im Angebot, die Klöpfer-Filiale in Hamburg nicht.

      • Arne
        Posted 28. Oktober 2015 at 08:43 0Likes

        Bauhaus hat ja leider nur die 18mm Platten auch hier in Köln…jagst du sie durch den Dickenhobel um die Bretter für das zu erhalten oder trennst du die Bretter auf?
        viele Grüße von einem ex Kieler im Rheinland…

        • Tobias
          Posted 28. Oktober 2015 at 09:20 0Likes

          Ich versuche immer das Maximum heraus zu holen. Ich säge die Baushaus-Bretter erst in 6-7cm breite Streifen, trenne sie dann hochkant mittig auf und jage sie dann durch die Dickenhobelmaschine. So bekomme aus einem Brett rund 20 Streifen. Und es reicht für ein komplettes Surfbrett…wenn die Qualität in Ordnung ist. :-)

          • Arne
            Posted 29. Oktober 2015 at 12:22 0Likes

            So dachte ich es mir fast. Das auftrennen muss noch geübt werden bei mir…
            Vielen Dank für den Tipp. Grandiose Seite im übrigen!

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